
Liposuktion (Fettabsaugung) bei Lipödem
Als Lipödem wird eine unkontrollierte, schmerzhafte, übermäßige Fettgewebsvermehrung an Armen und Beinen bezeichnet, die nahezu ausschließlich bei Frauen auftritt.
Kennzeichnend für die Erkrankung ist, dass nur bestimmte Körperregionen betroffen sind, während andere schlank bleiben. Am häufigsten tritt ein Lipödem an den Oberschenkeln auf (das sogenannte Reiterhosensyndrom). Es kann aber auch an Hüften, Gesäß und Unterschenkeln auftreten. Seltener betrifft es die Arme. Füße und Hände bleiben immer schlank – ein wichtiger Punkt, der das Lipödem vom Übergewicht abgrenzt.
Ein Lipödem verläuft symmetrisch, sodass beide Beine und/oder beide Arme gleichmäßig betroffen sind. Typisch sind zudem Schwellungen und Flüssigkeitseinlagerungen, die starke Schmerzen verursachen können. Hinzu kommen eine gesteigerte Druckempfindlichkeit und eine ausgeprägte Neigung zu blauen Flecken.
Es werden drei Stadien eines Lipödems unterschieden: Im ersten Stadium ist die Hautoberfläche größtenteils noch glatt. Im zweiten Stadium wird sie knotiger und größere Dellen sind sichtbar. Im dritten Stadium verhärtet sich das Gewebe zunehmend und es entstehen ausgeprägte Fettwülste.
Da ein Lipödem ursächlich nicht geheilt werden kann, ist eine gezielte Behandlung wichtig, um die Symptome zu bessern.
Ein Lipödem kann ab 2026 unabhängig vom Krankheitsstadium unter bestimmten Voraussetzungen durch Fettabsaugung (Liposuktion) behandelt und als Kassenleistung mit uns abgerechnet werden.
Im ambulanten Bereich müssen noch die vertraglichen Gebührenziffern im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) durch den Bewertungsausschuss festgelegt werden. Erst wenn diese feststehen, kann eine Liposuktion mit uns abgerechnet werden. Vorher ist dies nicht möglich.
Es ist die ärztliche Diagnose „Lipödem“ mit dem entsprechenden Schweregrad festzustellen.
Bevor eine Liposuktion durchgeführt werden kann, hat für mindestens sechs Monate eine konservative Therapie (z. B. Kompressions- und Bewegungstherapie, Lymphdrainagen) zu erfolgen, ohne dass eine ausreichende Besserung der Beschwerden eingetreten ist.
Ärztlicherseits erfolgt eine Berechnung auf Basis des Body-Maß-Indexes (BMI), bei BMI-Werten zwischen 32 kg/m² und 35 kg/m², denn eine Liposuktion ist hier nur dann zulässig, wenn das Übergewicht maßgeblich durch die durch das Lipödem verursachte Fettanlagerung an Beinen und Oberarmen bedingt ist. Davon ist auszugehen, wenn eine bestimmte Größe, der Waist-to-height-ratio= WHtR einen altersentsprechend festgelegten Grenzwert nicht überschreitet. Einzelheiten hierzu erfahren Sie in Ihrer Arztpraxis.
Bei zu hohem Übergewicht (BMI-Wert von mehr als 35 kg/m²) ist dies zunächst zu reduzieren und anschließend für 6 Monate zu halten, bevor eine Liposuktion durchgeführt werden kann.
Es gelten Anforderungen an die Qualifikation der behandelnden Ärztinnen und Ärzte, an die Operationsplanung sowie an die postoperative Nachsorge. Diese sind in einer Qualitätssicherungs-Richtlinie festgelegt.
Eine Kostenübernahme durch uns ist nur dann möglich, wenn der Eingriff in einer vertraglich zugelassenen Behandlungseinrichtung erfolgt. Fehlt diese Zulassung, sind die Kosten von Ihnen selbst zu tragen.
Nicht in allen Fällen ist ein Übergewicht auf ein Lipödem zurückzuführen. Es kann auch auf ungesunde Essgewohnheiten und das Fehlen von regelmäßiger Bewegung hinweisen. Ein gezieltes Diät- und Sportprogramm kann hier helfen. Selten handelt es sich tatsächlich um ein Lipödem, welches die Lebensqualität bereits durch starke Schmerzen beeinträchtigt. Lassen Sie sich hierzu durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt beraten.
Ursachen können erbliche Veranlagungen, hormonelle Veränderungen in der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in der Menopause sein.
Unbestritten ist, dass das Körpergewicht keinen Einfluss auf die Entstehung hat. Bei schlanken und normalgewichtigen Frauen kann ein Lipödem ebenso entstehen wie bei Frauen mit höherem Gewicht.
Tipps für eine erfolgreiche Behandlung:
Lipödem und Übergewicht haben zwar grundsätzlich nichts miteinander zu tun, gehen aber häufig miteinander einher. Starkes Übergewicht kann den Verlauf und das Beschwerdebild der Erkrankung sogar negativ beeinflussen. Wer an einem Lipödem leidet, kann somit an der Behandlung mitwirken, indem er gegebenenfalls vorhandenes Übergewicht abbaut. Neben einer gesunden Ernährung ist auch bei Lipödempatientinnen reichlich Bewegung sinnvoll. Am besten eignen sich Wassersportarten wie Schwimmen, Aqua-Jogging oder Aqua-Cycling, da sie einen ähnlichen Effekt wie die Lymphdrainage haben und die Gelenke schonen. Zusätzlich bieten sich Gymnastik, Walking und Radfahren an. Ungünstig sind Sportarten mit abrupten Anlauf- und Stopp-Bewegungen wie beispielsweise beim Handball oder Tennis.
Weitere Informationen rund um das Krankheitsbild und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie unter anderem auf den nachstehenden Seiten:
https://www.lymphselbsthilfe.de
https://www.lymphnetzwerk.de
http://www.lipoedemportal.de
