Interview zur Gesundheitsakte smarthealth

Interview zur Gesundheitsakte smarthealth

Interview durch Thomas Boesler, Pressesprecher der Hanseatischen Krankenkasse mit Stefan Lutz, IBM Services Transformation Program Leader und Torsten Kafka, Vorstand der Hanseatischen Krankenkasse zur Einführung der elektronischen Gesundheitsakte „HEK smarthealth“:

Partnerschaft HEK/IBM.

Herr Kafka, Herr Lutz, die elektronische Gesundheitsakte steht ja jetzt ganz oben auf der Tagesordnung der HEK für ihre Kunden. Wie haben Sie das Teaming zwischen HEK und der IBM bei der Einführung des Projekts empfunden?

Torsten Kafka: Die Einführung der elektronischen Gesundheitsakte ist für uns als digital- und zukunftsorientiertes Unternehmen ein weiterer Meilenstein. Wir haben das Teaming mit der IBM als besonders inspirierend und effektiv erlebt. Mit großem Engagement und Know-how auf beiden Seiten konnten wir das Potenzial in kurzer Zeit voll ausschöpfen und freuen uns über ein tolles und innovatives Ergebnis.

Stefan Lutz: Aus unserer Sicht war die Zusammenarbeit für die Erweiterung der HEK-Service-App Smarthealth von großem gegenseitigen Vertrauen und hoher Professionalität geprägt. Das erklärt vielleicht auch die verhältnismäßig kurze Vorbereitungszeit, da auf viele Erfahrungswerte auch zurückgegriffen werden konnte und die Flexibilität bei der HEK und beim IBM Team groß war

Vorteile der eGA, elektronische Gesundheitsakte, für Versicherte/Kunden

Welche Vorteile dürfen sich Kunden von der elektronischen Gesundheitsakte erwarten?

Torsten Kafka: Das Angebot die eigenen Gesundheitsdaten kostenlos managen zu können, sehen wir als riesigen Vorteil: zentral sammeln, langfristig speichern - und auch jederzeit und überall darauf zugreifen können. Arzt- / Zahnarztbesuche, Vorsorgeempfehlungen, Impfungen, Medikamente und Diagnosen selbst einsehen und durch eigene Daten ergänzen. Röntgenbilder und Berichte einfach hochladen. Keine Suche mehr nach Impf- oder Röntgenpass, ärztliche Befunde dann zur Hand haben, wenn man sie braucht

Stefan Lutz: Dazu kommt noch der Beitrag von IBM in Form einer hochsicheren Datenhaltung im IBM Rechenzentrum Frankfurt. Die Architektur der Akte ist so aufgebaut, dass wirklich nur der Versicherte Einblick in seine Daten nehmen kann, und von ihm autorisierte medizinische Fachkräfte, für die Bereiche, für die er/sie es wünscht.

Vernetzung mit Leistungserbringern (Hospitäler, Ärzte) und ihre Möglichkeiten

Die eGA füllt sich ja nicht alleine mit relevanten Daten. Welche Möglichkeiten ergeben sich denn aus der Vernetzung der Akte mit Leistungserbringern, also Ärzten, Krankenhäusern und medizinischen Dienstleistern?

Torsten Kafka: Die Vernetzung bringt für alle Seiten enorme Möglichkeiten: ohne Zeitverlust papierlos und schnell Daten austauschen, Transparenz im Behandlungsprozess, Doppeluntersuchungen vermeiden, Übersicht über Medikationspläne, Erkennen von anstehenden Impfungen und Untersuchungen. Unser Ziel ist es, den Nutzern mit Hilfe digitaler Angebote umfassende Informationen bereitzustellen und damit die bestmögliche Versorgung zu ermöglichen.

Stefan Lutz: Aus unserer Sicht wird die Akte für den Versicherten im Laufe der Zeit immer wertvoller, da sich durch die Präsenz von Arztdaten, Impfpassdaten, Fitnesswerten oder weiteren Informationen, mit denen die Akte angereichert werden kann, ein immer umfassenderes persönliches Bild der Gesundheit eines Versicherten ergibt. Zu analogen Zeiten war dies schlicht nicht möglich. Und: Teure Doppeluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen können möglicherweise immer öfter reduziert werden. Fachärzte kommen schneller zu einem Basisbild des Gesundheitszustands eines Patienten.

Aspekte der Datensicherheit

Wie sicher ist denn die elektronische Gesundheitsakte? Haben Hacker eine Chance? Und was können Ärzte einsehen?

Torsten Kafka: Wir haben bewusst die IBM als Partner ausgewählt, denn deren Expertise in Sachen Datensicherheit garantiert unseren Kunden, dass die höchsten Sicherheitsstandards erfüllt sind. Der Kunde bestimmt selbst, wann und wer seine Daten einsehen darf. Ärzte erhalten also nur dann Informationen, wenn der Kunde diese mit ihnen teilt. Selbst HEK und IBM verfügen über keine Zugriffsmöglichkeit. Die elektronische Gesundheitsakte wird über unsere, ebenfalls nach den aktuellsten Sicherheitsvorgaben erstellte, HEK Service-App aufgerufen.

Stefan Lutz: Aus unserer Sicht ist die elektronische Gesundheitsakte, die wir mit Partnern aus der Branche entwickelt haben, besonders geschützt und verwendet aktuelle Sicherheitsstandards vom Endgerät, dem Smartphone, bis hin zur Speicherung der verschlüsselten Daten im Hochsicherheits-Rechenzentrum in Frankfurt. Nur der Versicherte kann seine Akte umfänglich einsehen mit seinem individuellen Schlüssel.

Perspektiven im Ökosystem

Welche Perspektiven tun sich für die Weiterentwicklung der Akte in Zukunft auf? Welche Potenziale lassen sich heben?

Torsten Kafka: Die elektronische Gesundheitsakte ist ein großer Schritt in der aktuellen Zeit der Digitalisierung, welche durch die zukünftige Überleitung in eine elektronische Patientenakte noch weiter an Bedeutung gewinnt. Durch die elektronische Gesundheitsakte lassen sich die vielfältigen Potenziale der digitalen Informationsverarbeitung bestmöglich für die medizinische Versorgung nutzen. Die Kombination aus persönlichen Gesundheitseinträgen sowie Vital- und Aktivitätsdaten ist der perfekte Begleiter für unsere Kunden im Bereich Gesundheit. Wir erwarten digitale, schnelle und ressourcenschonende Prozesse mit großen Effizienzvorteilen.

Stefan Lutz: Aus unserer Sicht ist die elektronische Gesundheitsakte ein zentraler Baustein in einem digitalen Gesundheitssystem. In der Überleitung zu einer elektronischen Patientenakte, wie sie das BMG zur Einführung bis 2021 vorsieht, ergeben sich zunächst Ergänzungen auf der Leistungserbringer-Seite. Durch die Verbindungsmöglichkeit mit weiteren Anbietern im Gesundheitsökosystem - beispielsweise im Bereich Fitness oder Sport, Gymnastik oder Rehabilitation, können sich weitere Vorteile ergeben. Die Akte hat schließlich eine Bedeutung für das gesamte Leben eines Versicherten – egal, wo und wie er diese nützt.

Ein Fazit schon heute

Wird das eine ganz starke Partnerschaft?

Torsten Kafka: Die Einführung der Gesundheitsakte ist der erste Schritt in eine langfristige und intensive Zusammenarbeit. Ich freue mich, mit der IBM einen kompetenten und erfahrenen Partner an unserer Seite zu haben.

Stefan Lutz: Aus unserer Sicht ist das bereits jetzt eine superstarke, enge Partnerschaft auf ganz lange Zeit! Ich freue mich auf die vielen Chancen, diese weiter zu vertiefen!