SCHRIFTGRÖßE
22.07.10

Richtig versorgen: Blasen, Wunden, Insektenstiche

Für die Versorgung von Blasen, Wunden und Insektenstiche kommen immer wieder Hausmittel und –methoden zum Einsatz. Doch nicht alle davon sind geeignet. Lesen Sie, wie Sie solche Verletzungen richtig versorgen.

Immer wieder kursieren Geschichten, laut denen sich jemand nach einer anstrengenden Wanderung die Blasen an den Füßen aufgeschnitten haben soll. Und früher hieß es sogar, zur Wundversorgung sei Mehl, Honig oder Zigarettenasche geeignet. Doch obwohl das möglicherweise gängige Praxis gewesen ist: Es ist in beiden Fällen falsch.

Denn wer ohne medizinische Ausbildung, richtige Ausrüstung und sterile Umgebung an einer Blase herumschneidet, schafft möglicherweise erst ein Infektionsrisiko. Und das bei Wunden immer vorhandene Infektionsrisiko erhöht sich durch ungeeignete Mittel wie Mehl, Honig oder Asche noch zusätzlich. 

Das alles heißt jedoch nicht, dass man Blasen, Wunden und Insektenstiche sich selbst überlassen muss oder sollte. Im Gegenteil! Vielmehr kommt es darauf an, richtig zu handeln:

Blasen – Heilung braucht Ruhe
Die Haut kann dauerhaftem Druck, Reiben oder Scheuern nur für eine gewisse Zeit standhalten. Hält die Belastung längere Zeit an, lösen sich unter der Hornschicht oder der Oberhaut (Epidermis) Hautschichten voneinander ab. Es bildet sich ein kleiner Hohlraum, den der Körper mit Gewebeflüssigkeit füllt.

  • Unterbrechen Sie die belastende Tätigkeit, damit die Blase nicht noch größer wird.
  • Kleinere Blasen heilen in der Regel von selbst aus, wenn man sie in Ruhe lässt.
  • Öffnen Sie die Blase in keinem Fall. Die oberste Hautschicht schützt die kleine Verletzung – wie ein natürlicher Verband – vor einer Infektion.
  • Öffnen sich Blasen bzw. tritt Sekret oder Blut aus, müssen sie wie Wunden desinfiziert werden. Wichtig: Die Blase sollte dabei nach Möglichkeit nicht weiter geöffnet werden, schneiden Sie Hautschichten nicht weg.
  • Schützen Sie offene Blasen mit einem Verband oder einem speziellen Blasenpflaster. Da Blasen oft nässen, müssen Sie den Verband ggf. regelmäßig wechseln.
  • Bei größeren Blasen, länger andauernden Schmerzen, eitrigen Infektionen und anderen Entzündungen gilt: Suchen Sie einen Arzt auf.

Wunden – Entzündungen vermeiden
Schlecht, falsch oder gar nicht versorgte Wunden können sich infizieren. So vermeiden Sie Entzündungen oder Vergiftungen:

  • Decken Sie die Wunde mit einem möglichst keimfreien Verband ab. Bei kleinen Verletzungen genügt ein Pflaster. Dabei sollte die Wundauflagefläche immer größer sein, als die Wunde selbst. Größere Wunden deckt man mit einem so genannten Distanzgitter ab, dass mit Mullkompressen gehalten wird. Die Mullkompressen sorgen nicht nur für Halt, sondern reduzieren auch eine mögliche Schwellung. Verwenden Sie zur Abdeckung der Wunde in keinem Fall Papiertaschentücher. Sie fusseln zu sehr und sind auch nicht keimfrei.
  • Wunden dürfen Sie weder auswaschen, noch reinigen – es sei denn, es handelt sich um Bisswunden und Verätzungen. Bisswunden sollten möglichst umgehend ausgespült und desinfiziert werden – und in jedem Fall zusätzlich von einem Arzt versorgt werden. Bei Verätzungen muss die ätzende Substanz möglichst sofort verdünnt und abgespült werden. Rufen Sie hier im Zweifelsfall immer den Notarzt!
  • Berühren Sie die Wunde nicht mit der Hand. Dabei können schädliche Keime in die Wunde gelangen.
  • Bringen Sie zur Erstversorgung keine Wundsalben oder andere Arzneimittel auf! Vermeintliche Hausmittel wie Mehl, Honig oder Asche sind ohnehin tabu. Mit welchem Medikament eine Wunde ggf. behandelt werden sollte, entscheidet immer ein Arzt.
  • Fremdkörper – etwa ein Messer oder große Splitter – dürfen Sie nie selbst entfernen. Denn sind größere Arterien verletzt, kann sich beim Herausziehen die Blutung verschlimmern. Überlassen Sie diese Arbeit immer einem Arzt.
  • Überprüfen Sie Ihren Tetanus-Schutz. Liegt die letzte Impfung mehr als zehn Jahre zurück, muss sofort nachgeimpft werden.
  • Lassen Sie größere Wunden immer möglichst umgehend von einem Arzt begutachten! Möglicherweise muss genäht werden, um Narben zu vermeiden. Und dafür gibt es nur ein knappes Zeitfenster von wenigen Stunden. Außerdem kann der Arzt entscheiden, ob, und wenn ja, welche, Arzneimittel für eine weitergehende Wundversorgung sinnvoll sind.

Insektenstiche – von lästig bis schmerzhaft
Mückenstiche sind wegen des Juckreizes lästig. Weit schmerzhafter hingegen sind Stiche von Wespen, Bienen oder Hornissen. Bei einer Insektengiftallergie kann auch eine ernste Gesundheitsgefahr bestehen. Insektengift-Allergiker müssen daher immer ein Notfallpäckchen dabei haben. Besteht eine solche Allergie oder kommt es zu einem Stich im Mund- oder Rachenraum, ggf. auch am Hals, sollten Sie sofort einen Arzt rufen!

Kleinere Insektenstiche ohne Allergie oder ohne Stich im Mund- und Rachenraum bzw. am Hals können Sie mit diesen Maßnahmen lindern:

  • Bienen verlieren beim Stich ihren Stachel. Entfernen Sie diesen vorsichtig, ohne den anhängenden Giftsack zu berühren. Benutzen Sie dafür – falls greifbar – eine Pinzette.
  • Kühlen Sie bei allen Insektenstichen die Einstichstelle mit Eis, kalten Umschlägen oder Hausmitteln wie Gurkenscheiben oder Zwiebeln. Das bewirkt, dass die Schwellung zurückgeht und der Schmerz nachlässt. Vermeiden Sie dabei aber Erfrierungen.
  • Neben kühlenden Umschlägen helfen gegen die Schwellung und den Juckreiz auch entsprechende Salben oder Gels.
  • Vermeiden Sie eine Folgeinfektion: Gerade Kinder versuchen häufig, den Juckreiz durch Kratzen zu bekämpfen. Wenn die Fingernägel schmutzig sind, besteht daher ein erhöhtes Infektionsrisiko. Achten Sie daher bei Kindern auf kurz geschnittene Fingernägel.
  • Auch bei Insektenstichen gilt: Überprüfen Sie den Tetanusschutz. Denn oft sind die Stachel der kleinen Tiere verunreinigt.