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Das Schlagwort „Multitasking“ gibt es erst seit wenigen Jahren. Es handelt sich um einen Begriff, den Computer- bzw. Softwareentwickler geprägt haben. Denn Multitasking bedeutet, dass der Rechner bzw. das Betriebssystem mehrere Aufgaben, so genannte Tasks, parallel ausführen kann. Das bringt viele Vorteile mit sich: Wenn zum Beispiel die eine Aufgabe für Sekundenbruchteile noch auf Informationen von der Festplatte wartet, wird schon die nächste gestartet. So ist es möglich, die Rechenkapazität des Prozessors optimal auszulasten.
Jedenfalls gilt es seitdem auch für Menschen als normal, während der Arbeit mehrere Dinge gleichzeitig zu tun – egal ob Mann oder Frau: Kolleginnen und Kollegen überfliegen E-Mails, während sie ein Telefongespräch führen. Sie tippen Textnachrichten auf ihrem Handy mitten in einer Konferenz. Und die Ablage wird erledigt, während man sich mit dem Büronachbarn bespricht.
Ein neues Bild vom Menschen
Multitasking ist längst kein Begriff mehr aus der Computerwelt. Das Schlagwort sagt mittlerweile viel über unser Selbstverständnis und Selbstbild aus: Wir gehen davon aus, dass wir – so wie eine Rechenmaschine – unsere Produktivität dadurch steigern können, indem wir mehrere Aufgaben möglichst zeitgleich ausführen.
Aktuelle psychologische und neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch: Dabei handelt es sich um einen Trugschluss. Beim Versuch, verschiedene Dinge gleichzeitig zu tun, handeln wir gegen die Natur unseres Gehirns. Das konnten amerikanische Wissenschaftler von der Carnegie Mellon University mit Hilfe eines Kernspintomografen nachweisen: Zunächst sollten Versuchspersonen eine Sprachverstehensaufgabe lösen. Auf dem Kernspintomografen zeigte sich rege Aktivität im Sprachzentrum des Gehirns. Dann sollten die Personen zusätzlich komplizierte Bilder miteinander vergleichen. Jetzt war auch das Sehzentrum im Gehirn aktiv – allerdings auf Kosten des Sprachzentrums. Die Aktivität dort ging um mehr als die Hälfte zurück. Es ist unmöglich, beide Aufgaben gleich gut zu bewältigen.
Multitasking frisst Zeit…
Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen Forscher der Stanford University in Kalifornien. Sie untersuchten zwei Personengruppen: Die einen waren es gewohnt, ständig zwischen verschiedenen Medien zu wechseln, zum Beispiel E-Mail, Handy, Telefon etc, also typische „Multitasker“. Die anderen bevorzugten ein Medium. Der Vergleich zeigte: Die „Multitasker“ ließen sich leichter durch störende Reize ablenken und hatten dann Probleme, wesentliche von unwesentlichen Informationen zu trennen. In der Folge benötigten sie mehr Zeit, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Außerdem stellten die Forscher fest: „Multitasker“ tun sich schwerer damit, sich auf eine neue Aufgabe zu konzentrieren. Der Grund: Sie springen viel häufiger in Gedanken zur alten Aufgabe als die andere Personengruppe.
… und verursacht Stress
Forscher der Universität London wiederum vermuten einen Zusammenhang zwischen einem zeitlich gesunkenen Intelligenzquotienten und der ständigen Ablenkung durch klingelnde Telefone und neue E-Mails. Außerdem konnten sie zeigen, dass beim Multitasking vermehrt Stresshormone ausgeschüttet werden.
In jedem Fall zeigen diese Forschungen: Das menschliche Gehirn ist nicht multitaskingfähig, zumindest nicht in dem Sinn, wie es sich manche Zeitgenossen zu wünschen scheinen. Wir können unsere Konzentration immer nur auf eine Aufgabe gleichzeitig lenken. Wenn wir zwei Aufgaben gleichzeitig bearbeiten wollen, täuschen wir uns selbst. Denn dazu muss die Aufmerksamkeit ständig hin- und herspringen. Und jeder Wechsel kostet nicht nur Kraft, sondern auch Zeit.
Eins nach dem anderen
Arbeitspsychologen und Neurowissenschaftler raten daher längst davon ab, Multitasking zum Maßstab für menschliche Arbeit zu machen. Machen Sie daher nicht den Fehler, möglichst viele Dinge auf einmal bearbeiten zu wollen. Setzen Sie vielmehr auf die altbewährte Methode, eine Sache nach der anderen zu erledigen. Strukturieren Sie Ihre Arbeit und erstellen Sie Prioritätslisten. Und vermeiden Sie – so gut es eben geht – ständige Ablenkungen. Nur so können Sie dauerhaft die Effektivität Ihrer Arbeit steigern.
Übrigens: Auch Computer führen beim Multitasking nicht wirklich mehrere Aufgaben zeitgleich durch. Vielmehr „zerhacken“ sie diese in viele Teilaufgaben, die sie dann im Wechsel von Sekundenbruchteilen abarbeiten. Im Unterschied zum Menschen ist die Software dabei jedoch in der Lage, den ständigen Wechsel ohne Zeit- und Reibungsverluste auszuführen.