Kleine Drüse – große Wirkung

Vera Cordes, Fernsehmoderatorin, Medizinjournalistin und HEK-Mitglied seit 1986Vera Cordes, Fernsehmoderatorin, Medizinjournalistin und HEK-Mitglied seit 1986

Warum wird der eine Arzt Herzchirurg, der andere Dermatologe und ein dritter Darmspezialist? Gelegentlich stelle ich mir diese Frage, wenn ich zur Vorbereitung der Sendung Visite auf neue Studiogäste treffe. Kürzlich war Heiner Mönig bei uns, seines Zeichens Stoffwechselexperte mit Schwerpunkt Schilddrüsenerkrankungen.

Der Kieler Universitätsprofessor erklärte mir sein besonderes Interesse an diesem Gebiet damit, dass ihn schon immer Regelkreise fasziniert hätten, komplexe Zusammenhänge, an denen man intensiv tüfteln müsse und wie ein Detektiv kombinieren. In der Tat: Für derlei Vorlieben ist die Schilddrüse mit ihren unterschiedlichen Störanfälligkeiten und manchmal diffusen Symptomen bestens geeignet.

Die Schilddrüse hat Macht über uns

Zwar ist diese kleine Hormonfabrik im Schnitt gerade mal 20 bis 30 Gramm leicht und eher unscheinbar, aber trotzdem hat sie große Macht über uns. Denn sie bestimmt, ob wir uns ausgeglichen fühlen oder unkonzentriert, antriebslos oder gehetzt. Der gesamte Stoffwechsel wird über dieses Organ gesteuert. Das bedeutet, dass sich zum Beispiel Gehirn, Herz oder Magen-Darmsystem mit Beschwerden melden, wenn die Schilddrüse zu viel oder zu wenig Hormone produziert. Haare können ausfallen, Hauttrockenheit und Hitzewallungen auftreten. Das Spektrum der möglichen Symptome ist vielfältig.

Symptome beachten und richtig deuten

Laut Stoffwechselexperte Mönig sollte man jedoch immer dann an eine Störung der Schilddrüse denken, wenn man ohne erkennbaren Grund ständig müde ist oder zunehmend depressiv verstimmt, wenn man Gedächtnisstörungen hat oder merklich an Gewicht zulegt. Dann kann beispielsweise eine behandelbare Unterfunktion dahinter stecken. Viele schieben diese Beschwerden fälschlicherweise aufs Alter, wodurch die Krankheit oft jahrelang unerkannt bleibt.

Häufige Ursache: Hashimoto-Thyreoditis

Häufigste Ursache der Unterfunktion ist die Hashimoto-Thyreoditis, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Gewebe der Schilddrüse vom eigenen Körper angegriffen und zerstört wird. Die zahlreichen Fragen, die dazu von Zuschauern im Visite-Experten-Chat eingingen, deuten auf die große Verbreitung dieses Problems. Die Therapie besteht in der Regel in der lebenslangen Einnahme von Schilddrüsenhormonen. Wichtig für eine gute Verträglichkeit der Medikamente ist dabei die langsame Steigerung der Dosis innerhalb von mehreren Wochen. 

Jeder dritte Deutsche hat eine auffällige Schilddrüse

Wie störanfällig die kleine Hormonfabrik im Hals ist, wird daran erkennbar, dass etwa jeder dritte Bundesbürger Auffälligkeiten in der Schilddrüse aufweist. In vielen Fällen sind das so genannte heiße oder kalte Knoten – so genannte Autonomien. Das sind Bereiche, in denen sich Schilddrüsenzellen der zentralen Steuerung entziehen und ein Eigenleben führen. Diese Knoten sind aber nicht immer behandlungsbedürftig. Zu einer Therapie wird der Arzt nur dann raten, wenn tatsächlich Beschwerden auftreten und/oder im Blutbild ein Hinweis auf eine Fehlfunktion festgestellt wird.

Auch bei Krebsverdacht nicht sofort operieren 

Allerdings kritisieren Experten, dass in Zweifelsfällen in Deutschland zu schnell operiert wird. Die Zahl der Eingriffe, bei denen Teile der Schilddrüse oder die gesamte Drüse entfernt werden, ist in Deutschland um ein Vielfaches höher als in Ländern wie England.  Da bei bestimmten Veränderungen das Vorhandensein von Krebszellen nicht ganz auszuschließen ist, raten viele Ärzte im Zweifel zu einer Operation. Prof. Georg Brabant, Experte für Experimentelle und Klinische Endokrinologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck, betont jedoch, dass – gemessen an der Gesamtzahl veränderter Schilddrüsen in Deutschland in Höhe von 15 Millionen, die Zahl ernsthafter Karzinome mit 3000 im Jahr verschwindend gering sei. Im Zweifel, so Brabant, solle man den Mut haben abzuwarten. Selbst wenn sich dann irgendwann tatsächlich Krebszellen zeigten, sei immer noch für eine erfolgreiche Behandlung Zeit.

Eine Überfunktion kann das Herz krank machen

Etwas seltener als in die Unterfunktion gerät die Schilddrüse in eine Überfunktion. Eine der wichtigsten Ursachen hierfür ist der Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung, bei der irrtümlicherweise Antikörper produziert werden, die die Schilddrüse regelrecht anfeuern. Die Erkrankten sind unruhig, haben Herzrasen, Bluthochdruck, Hitzegefühl, sie schwitzen leicht und weisen manchmal hervortretende Augen auf.
Ob durch Morbus Basedow oder andere Ursachen: Wichtig ist, dass eine Überfunktion schnell behandelt wird. Denn ohne Therapie drohen Stoffwechselentgleisungen und Herzprobleme. Der Dauerstress durch das Übermaß an Hormonen kann zu Herzmuskelschäden und Vorhofflimmern führen und so das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall deutlich erhöhen. Die gute Nachricht ist: Das Herz regeneriert sich wieder wenn die Überfunktion behandelt wird, sei es mit Hilfe von Medikamenten, durch eine Operation oder durch die so genannte Radiojodtherapie.

Schilddrüsen-Check für wen?

Auch wenn so manche Schilddrüsenerkrankung lange unentdeckt bleibt, empfehlen die Experten zum heutigen Zeitpunkt keinen grundsätzlichen Schilddrüsen-Check für jedermann. Wohl aber eine vorsorgliche Untersuchung für diejenigen, die sich mit den oben genannten Symptomen sowie mit plötzlichen Herzrhythmusstörungen oder neu aufgetretenem Bluthochdruck plagen. Auch wenn es in der Familie bereits Schilddrüsenerkrankungen gab, bietet sich ein vorsorglicher Bluttest an.

Im Prinzip gilt – und das legen wir in unseren Sendungen unseren Zuschauern auch im Hinblick auf andere Krankheiten immer wieder ans Herz: Im Zweifel den Hausarzt bei überraschenden, neuen und nicht erklärlichen Beschwerden lieber einmal mehr als einmal zu wenig aufsuchen. Und auch wenn nicht gleich etwas gefunden wird: Nie die Hoffnung aufgeben. Eine Ausgabe unserer Reihe „Abenteuer Diagnose“ zeigt, es könnte auch ein Hyperparatthyreoidismus dahinter stecken. Übrigens auch eine Schilddrüsenerkrankung. 

Gesundheitsmagazin „Visite“

Vera Cordes ist in der Live-Sendung des Gesundheitsmagazins „Visite“ immer dienstags im Norddeutschen Fernsehen um 20.15 Uhr zu sehen.

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